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Deutsch-polnische Jugendbegegnung verbindet Geschichte, Erinnerung und Freundschaft

  • Hauptkategorie: Neues
  • Kategorie: Newsflash
  • Zuletzt aktualisiert: Freitag, 09. Oktober 2026 17:03
  • Veröffentlicht: Freitag, 09. Oktober 2026 16:58
  • Zugriffe: 29

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Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Mitte der Stadt Essen und der Zespół Szkół Budowlanych aus Tarnów setzen ihre Schulpartnerschaft mit Förderung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) fort

Essen, 25. September 2026 – 40 junge Menschen aus Deutschland und Polen, sechs begleitende Lehrkräfte und ein Sprachmittler, fünf Tage gemeinsamer Austausch, intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte und vor allem viele persönliche Begegnungen: Vom 21. bis zum 25. September fand in Essen die zweite deutsch-polnische Jugendbegegnung zwischen dem Berufskolleg Mitte der Stadt Essen und der Zespół Szkół Budowlanych in Tarnów (Polen) statt. Nachdem die Schulpartnerschaft im Jahr 2025 begonnen worden war, konnte sie mit dem Besuch der polnischen Schülerinnen und Schüler in Essen erfolgreich fortgesetzt und weiter vertieft werden.

Im Mittelpunkt der Begegnung stand die Frage, wie eine zeitgemäße Erinnerungskultur im Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus gestaltet werden kann. Die Jugendlichen beschäftigten sich mit historischen Ereignissen und persönlichen Schicksalen, diskutierten über Formen des Erinnerns und setzten sich zugleich mit der Frage auseinander, welche Bedeutung die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für junge Menschen im heutigen Europa besitzt.

Gleichzeitig war die Begegnung weit mehr als ein historisch-politisches Bildungsprojekt. Ein wesentliches Ziel war es, Begegnung, gegenseitiges Kennenlernen und den Aufbau persönlicher Beziehungen zwischen den Jugendlichen aus Deutschland und Polen zu fördern. Dass dies eindrucksvoll gelang, zeigte sich während der gesamten Woche.

Gemeinsam Geschichte entdecken und Erinnerung gestalten

Einen besonderen Schwerpunkt bildete der Besuch der Ausstellung zur Zwangsarbeit im Ruhrgebiet sowie der Ausstellung „Holo-Voices“ in Halle 8 auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein. In zwei Workshops wurden die Jugendlichen durch die Ausstellungen geführt und erhielten die Gelegenheit, sich intensiv und aktiv mit den dargestellten Inhalten auseinanderzusetzen.

Dabei blieb es nicht beim Zuhören. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten unmittelbar an den Ausstellungswänden und beschäftigten sich insbesondere mit den Biografien von zwei Holocaust-Überlebenden. Persönliche Lebensgeschichten machten die historischen Ereignisse für die Jugendlichen greifbar und eröffneten einen Zugang zu der Frage, wie individuelle Erfahrungen von Verfolgung, Ausgrenzung und Überleben heute erinnert und vermittelt werden können.

Gerade die Verbindung von historischen Informationen und persönlichen Biografien bot zahlreiche Gesprächsanlässe. Die Jugendlichen konnten ihre unterschiedlichen Perspektiven einbringen und miteinander darüber diskutieren, welche Verantwortung die heutige Generation für das Erinnern an die nationalsozialistischen Verbrechen trägt.

Weitere Programmpunkte beschäftigten sich mit der Stadt Essen im Nationalsozialismus, dem Besuch der Gedenkstätte Schwarze Poth sowie mit Köln in der Zeit des Nationalsozialismus. Auf diese Weise wurde die Geschichte nicht ausschließlich im Klassenraum vermittelt, sondern an authentischen Orten und anhand konkreter Beispiele erfahrbar gemacht.

Deutsch-polnische Zusammenarbeit im Mittelpunkt

Trotz des anspruchsvollen historischen Themas stand während der gesamten Begegnung die deutsch-polnische Jugendbegegnung im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zwischen etwa 16 und ca. 20 Jahre alt und kamen aus unterschiedlichen Bildungsgängen und beruflichen Fachrichtungen.

Die polnische Gruppe der Zespół Szkół Budowlanych aus Tarnów bestand überwiegend aus Schülerinnen und Schülern mit dem Schwerpunkt Bautechnik.

Auf deutscher Seite nahmen Schülerinnen und Schüler verschiedener Bildungsgänge des Berufskollegs Mitte der Stadt Essen teil: aus der Berufsfachschule Fahrzeugtechnik, der Berufsschule der Kfz-Mechatronikerinnen und Kfz-Mechatroniker sowie der Höheren Berufsfachschule für Maschinenbautechnik.

Begleitet wurden die insgesamt 40 Jugendlichen von vier deutschen und zwei polnischen Kolleginnen und Kollegen. Ein Sprachmittler unterstützte die Kommunikation und half dabei, sprachliche Barrieren zu überwinden.

Dass die Verständigung dennoch schnell und unkompliziert funktionierte, lag vor allem an der gewählten Arbeitsweise. Ein großer Teil des Programms wurde bewusst in deutsch-polnischen Kleingruppen durchgeführt. Die Jugendlichen arbeiteten gemeinsam, lösten Aufgaben, diskutierten und lernten sich dabei ganz selbstverständlich kennen.

Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer kannten sich bereits von der ersten Begegnung im Rahmen der 2025 begonnenen Schulpartnerschaft. Für andere war die Begegnung der erste persönliche Kontakt. Bereits nach kurzer Zeit entstand jedoch eine außergewöhnlich gute Atmosphäre. Sprachliche Unterschiede spielten zunehmend eine untergeordnete Rolle – gemeinsame Interessen, Humor, Sport und die Neugier aufeinander verbanden die Jugendlichen.

Sport als Brücke zwischen den Kulturen

Einen besonderen Beitrag zum gegenseitigen Kennenlernen leistete ein Padel-Turnier in der Padel-World Bochum. Bereits am zweiten Tag der Begegnung traten die Jugendlichen in deutsch-polnisch gemischten Teams gegeneinander an.

Dabei ging es nicht allein um sportliche Leistung. Das gemeinsame Spiel bot eine unkomplizierte Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig anzufeuern und als Team zusammenzuarbeiten. Gerade weil die Teams bewusst international zusammengesetzt waren, entstanden schnell neue Kontakte und Freundschaften.

Das Padel-Turnier erwies sich damit als wichtiger Baustein der Begegnung: Wo Sprache manchmal eine Hürde darstellte, konnten Sport und gemeinsames Handeln unmittelbar verbinden.

Erinnerungskultur braucht Begegnung

Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus erhielt durch die deutsch-polnische Zusammensetzung der Gruppe eine zusätzliche Bedeutung. Deutschland und Polen verbindet eine gemeinsame, aber zugleich von unterschiedlichen Erfahrungen geprägte Geschichte des 20. Jahrhunderts. Gerade deshalb bietet der direkte Austausch junger Menschen eine besondere Chance.

Die Jugendlichen konnten erfahren, dass Erinnerungskultur nicht nur aus Gedenkstätten, Ausstellungen und historischen Fakten besteht. Sie entsteht auch im Gespräch miteinander, im Austausch unterschiedlicher Perspektiven und in der persönlichen Auseinandersetzung mit den Schicksalen von Menschen, die von Verfolgung und Krieg betroffen waren.

Die Jugendbegegnung zeigte dabei eindrucksvoll, dass historische Bildungsarbeit und internationale Begegnung einander ergänzen können. Die gemeinsame Beschäftigung mit der Vergangenheit wurde zum Ausgangspunkt für Gespräche über Gegenwart und Zukunft: über Demokratie, Frieden, Verantwortung und ein respektvolles Zusammenleben in Europa.

Freundschaft über Grenzen hinweg

Wie eng die Gruppe bereits nach wenigen Tagen zusammengewachsen war, wurde spätestens beim gemeinsamen Abschiedsabend deutlich. Bei einem Grillabend standen gemeinsames Essen, Sport und Spiele ebenso auf dem Programm wie Musik und Tanz.

Aus den zunächst teilweise noch unbekannten Gesichtern waren im Laufe der Woche Freunde und Bekannte geworden. Die Jugendlichen verbrachten ihre Freizeit miteinander, unterstützten sich gegenseitig und verabschiedeten sich am Ende der Begegnung mit dem sichtbaren Wunsch, den Kontakt auch über die Jugendbegegnung hinaus aufrechtzuerhalten.

Damit erfüllte die Begegnung einen wesentlichen Zweck der seit 2025 bestehenden Schulpartnerschaft: Junge Menschen aus Deutschland und Polen lernen einander persönlich kennen, bauen Vorurteile ab, entdecken Gemeinsamkeiten und entwickeln ein Verständnis für die Perspektiven des jeweils anderen Landes. Die Begegnung wurde durch die Förderung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) ermöglicht, das damit den grenzüberschreitenden Austausch junger Menschen, das gegenseitige Kennenlernen und die nachhaltige deutsch-polnische Zusammenarbeit unterstützt.

Erfolgreiche Fortsetzung der Schulpartnerschaft

Die deutsch-polnische Jugendbegegnung in Essen hat gezeigt, wie erfolgreich internationale Zusammenarbeit an beruflichen Schulen gestaltet werden kann. Die Verbindung von politisch-historischer Bildung, beruflicher Orientierung, sportlichen Aktivitäten und persönlicher Begegnung machte die fünf Tage für die Jugendlichen zu einer abwechslungsreichen und nachhaltigen Erfahrung.

Die Begegnung hat nicht nur Wissen über die gemeinsame Geschichte vermittelt, sondern vor allem eines geschaffen: persönliche Verbindungen zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Polen. Genau darin liegt die besondere Stärke internationaler Jugendbegegnungen.

Denn eine gemeinsame europäische Zukunft entsteht nicht allein durch politische Vereinbarungen – sie entsteht auch dort, wo junge Menschen sich begegnen, miteinander arbeiten, gemeinsam lachen, Geschichte hinterfragen und Freundschaften schließen.

Die Begegnung in Essen hat dafür ein eindrucksvolles Beispiel gegeben.

Rüdiger Duckheim

Schulleiter

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